Dienstag, 27. Jänner 2009

Pearl Harbor Ananas

Der Perlenhafen, Pearl Harbor ist seit dem 7. Dezember 1941 weltberühmt, dem Tag an dem die japanischen Streitkräfte um 7.55 Morgens Ortszeit den Marinestützpunkt angriffen und somit den Eintritt der bislang neutralen USA in den Zweiten Weltkrieg auslösten.
Natürlich ist das militärische Gelände des Hafens gesperrt, lediglich das USS-Arizona-Memorial kann besichtigt werden. Dabei handelt es sich um einen weißen Bau, der quer über das Deck des sich nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche befindlichen Wracks der USS Arizona gebaut wurde. Zum knapp 1 Kilometer entfernten Memorial in Ufernähe zu Ford-Island wird man stilgerecht mit einer Barkasse der US Navy chauffiert, an die 100 Personen haben Platz an Bord dieses Kahnes. Der Bau, für dessen Errichtung auch King Elvis Benefizkonzerte auf Hawai’i gab, wurde 1962 eröffnet und in der Zeremonienhalle am Ende des Memorials befinden sich die Namen der rund 1700 Matrosen, die am 7. Dezember 1941 nach dem japanischen Angriff mit der USS Arizona untergegangen sind und bis zum heutigen Tag in ihrem nassen Grab liegen. Die USS Arizona war das einzige der beschädigten und versenkten Schiffe, das nicht wieder gehoben, repariert und in Dienst gestellt wurde.




Ob es sich bei dem Angriff auf Pearl Harbor, der erst wenige Monate davor zum Hauptquartier der Pazifikflotte auserkoren wurde – vorher befand sich das Oberkommando in San Diego, Kalifornien - wirklich um einen Überraschungsangriff der Japaner handelte oder die amerikanische Regierung längst über die Absichten Bescheid wusste, ist nach wie vor das Thema wilder Debatten. Die 12-tägige Pazifiküberquerung der japanischen Träger, das Treibstoff- und Schrottembargo der USA gegen Japan und die Spannungen im Pazifik bezüglich Guam, die Philippinen und die Marshall-Inseln haben die Gerüchte einer gezielten Provokation Japans durch die USA zum Angriff gemehrt, ebenso wie Tagebucheinträge des Marineattaches aus dem Kabinett Präsident Roosevelts.
Für die Amerikaner ist Pearl Harbor zu einer nationalen Pilgerstätte geworden, rund 80 % der Besucher sind amerikanische Staatsbürger. Der Rest besteht zu einem großen Teil aus Japanern, was die ganze Angelegenheit etwas bizarr macht. Bei unserem Besuch gab es eine Autogrammstunde von einigen Veteranen, die den Angriff überlebte und auch die Tochter eines Veteranen hatte einen Stand aufgebaut, an dem sie ihre Anekdoten- oder vielmehr die ihres Vaters – erzählte. Wie in jedem Museum oder jeder Sehenswürdigkeit auf amerikanischem Boden gibt es einen ordentlichen Souvenirladen, jener strotzte vor Militaria und Büchern zum Thema „Pacific Theater“, wie die Amerikaner die Kriegshandlungen im Pazifik zur Unterscheidung vom „European Theater“ nennen.
Nun ja, der Ort ist historisch bedeutend und nicht zu Unrecht ist das Arizona-Memorial ein nationaler Park, für den europäischen Besucher und Pazifisten ist das ganze Getue doch etwas ungewohnt und wirkt befremdlich. Das eigene Verhältnis zu Krieg und Soldatentum im Zweiten Weltkrieg ist durch den Nationalsozialismus doch kritisch geprägt, darum wirkt jegliche Heldenverehrung von Kämpfern, zumal es in Pearl Harbor eben auch jene kritischen Stimmen und Konspirationstheorien gibt, einfach befremdlich. Für Amerikaner ist die Beziehung zu den Helden aus den eigenen Reihen, die für Frieden und Wohlstand kämpften und ihr Leben für die Demokratie liesen, einfach eine gänzlich andere. Wirkt hier für den Zentraleuropäer doch noch ein Schuldgefühl auf Grund des nationalsozialistischen Regimes und seiner Schlüsselrolle als Grund für die Auslösung des Krieges nach? Oder ist es eine gänzliche Ablehnung von einer Verherrlichung und Verehrung des Krieges? Dass Krieg ja die Hölle ist, wissen wir Glückseligen, die nie an Kriegshandlungen teilnehmen mussten - und es auch mit absoluter Sicherheit nie tun werden – spätestens seit dem durchgeknallten Schützen an Bord des Hubschraubers in Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“





Da fuhren wir schon lieber zur Dole-Plantage in der Mitte der Insel, wo wir uns auf frische Ananas freuten. Der alte Dole, namentlich James Dole, gründete die Obstmarke als „Hawaiian Pineapple Company“ 1901 und baute nicht nur Ananas sondern auch Bananen, Mangos und Zuckerrohr an. Vom Glanz der Plantage ist wenig geblieben, die Firma gibt es noch immer und ist heutzutage eine der größten Obstfirmen weltweit. Der Standort Hawai’i ist jedoch ein einziges Freilichtmuseum und die wenigen Früchte, die noch angebaut werden, werden beinahe gänzlich im Restaurant vor Ort verwendet.
Mit einer kleinen Eisenbahn wird man durch das Gelände gekarrt um zu sehen wie Ananas und andere Früchte angebaut und geerntet werden. Um die Zeit voll zukriegen, die der „Pineapple Express“ für die Runde benötigt, werden die Passagiere neben der Geschichte der Firma und einigen Fakten über den Ananasanbau auch mit hawaiianischer Folklore durch die Lautsprecher bedudelt. An der Arbeit in der Plantage sieht man keine Menschenseele, die Fahrt ist auch schnell vorüber und man kann sofort wieder in den Souvenirshop gehen um seine Kröten für irgendwelchen billigen Tand in Ananasform auszugeben. Zwar schmeckt das frische Ananaseis wirklich köstlich doch der Rest der Tour schmeckt nach Abzocke. Im Grunde handelt es sich bei der Dole-Plantage um einen riesigen Souvenirladen mit den abstrusesten Dingen in Ananasform und einer Plantage im Hinterhof. Schön war’s trotzdem irgendwie, ist ja schließlich auf Hawai’i.



Donnerstag, 22. Jänner 2009

Polynesian Cultural Center

Obwohl wir schon längst wieder in heimatlichen Gefilden gestrandet sind, haben wir uns entschlossen, einige Impressionen von der Trauminsel O’ahu des Hawaii-Archipels zu veröffentlichen. Zu den absoluten Muss bei einem Besuch auf O’ahu gehören das Polynesian Culture Center, Pearl Harbor, das Bishop-Museum und die Dole-Plantage. Diese Sehenswürdigkeiten sind bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und bieten eine Abwechslung zum Strand gammeln oder Surfen, welches man auf Hawai’i ebenfalls unbedingt machen sollte.
Das Polynesian Cultural Center an der Northshore von Hawaii ist für jeden Tiki-Fan ein Muss. Zwar ist der Spaß nicht ganz billig, die Anfahrt lange und der Publikumsandrang enorm, doch dafür wird man auf einem idyllischen Gelände mit sieben polynesischen Dörfern, die verschiedenen Inseln und Inselgruppen entsprechen, konfrontiert, wobei man so einiges über die Lebensumstände und die Kulturen der „Wikinger der Südsee“ erfährt. Auf eine Führung verzichteten wir um das Gelände auf eigene Faust erkunden zu können, eine Übersicht über die Shows und Präsentationen erhält man am Eingang.



Das Center besteht seit den frühen 1960er Jahren, doch seitdem hat sich natürlich einiges auf dem Gelände geändert. Erhalten geblieben ist das Konzept der sieben Dörfer. Diese symbolisieren sieben Inselgruppen, Samoa, Tonga, Tahiti, die Marquesas, Rapa Nui – Osterinsel, Fiji und selbstverständlich Hawaii. Natürlich ist der Kitsch-Faktor extrem hoch, schließlich befindet man sich auf US-amerikanischem Boden und das Zentrum muss Gewinn erwirtschaften. Mit diesem wird Studenten aus 70 Nationen das Studium an der Brigham-Young-Universität ermöglicht, einer Einrichtung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage – wir sind wieder bei den Mormonen gelandet. Studenten aus den angeführten sieben pazifischen Nationen haben die Möglichkeit, in den Shows und Präsentationen aktiv mitzuarbeiten und zu helfen, die eigene Kultur zu bewahren und den Touristen etwas beizubringen. Von einem kleinwüchsigen samoanischen Krieger erfuhren wir wie man Feuer macht – ohne Feuerzeug –, wie man eine Kokosnuss stilgerecht öffnet und aus dem fetthaltigen Fruchtfleisch Kokosmilch gewinnt. Die Tonga-Trommler klopften mit voller Inbrunst auf ihre Holztrommeln und erzeugten faszinierende Rhythmen, in Tahiti erfährt man einiges über Tamure, in Hawaii gab es eine kleine Einführung in die Geschichte und Bedeutung des Hula, in der melanesischen Enklave Fiji Kriegstänze, ebenso wie der haka der Einwohner von Aotearoa, des Landes der langen weißen Wolke, Neuseeland. Rapa Nui und die Marquesas sind nur zu besichtigen, wobei vor allem die marquesischen Langhäuser durch ihre Architektur und ihre festungsartige Anlage bestechen.





Auf dem ganzen Gelände gibt es eine Unzahl an Tikis und Schnitzereien zu entdecken und wir hatten das Vergnügen, mit einem Maori-Schnitzer ein bisschen zu plaudern und ein paar Geheimnisse über die Bedeutung verschiedener Ornamente zu erfahren. Interessanterweise werden die gleichen Schnitzbeitel wie bei heimischen Arbeiten verwendet und deutsche Messer stehen wegen ihrer Qualität besonders hoch im Kurs.

Auch Elvis Presley hat seine Spuren im Kulturzentrum hinterlassen, für die Schlusssequenz des Filmes „Paradise, Hawaiian Style“ aus dem Jahr 1965, wurde hier gedreht, wo zu den Klängen von "Drums of the island" der King lässig zwischen den Tänzern vor einem Wasserfall das Becken schüttelt und wie einer der Tongaiander wie besessen trommelt. Für dieses Ereihnis gibt es eine eigene Gedenktafel auf dem Gelände.
Das Geländ ehat auch ein Netz von Kanälen und alle Dörfer ließen Repräsentanten auf Booten in die Mitte paddeln, wo auf dem Wasser – auf den Booten, nicht Jesus gleich – Tänze vorgeführt wurden.
Eine Ukulele-Lektion gab es ebenso wie eine Kostprobe des Taro-Breis poi, der nach absolut gar nichts schmeckt. Aber was ordentliches zwischen die Zähne sollten wir doch noch bekommen, den es gab ein L'uau - ein hawaianisches Gelage -, indem verschieden zubereitete Fische, Schweinefleisch aus dem Erdofen, Gemüse, Taro, Reis, Früchte, Salate und andere polynesische Köstlichkeiten in Form eines Buffets kredenzt wurden. Während des Males mit der ganzen ohana – die Familie, zu der man jetzt gehört - gab es eine äußerst professionelle Hula-Vorführung mit musikalischer Begleitung einer kleinen Band. Aus aller Herren Länder trifft man hier Menschen, die mehr über die pazifischen Kulturen erfahren wollten, wir plauderten mit Indern, Russen, Japanern und auch ein bayrisches Pärchen war unter den Anwesenden.
Nach dem Mahl begann dann im Theater die knapp eineinhalbstündige Tanzshow mit über 100 Tänzern, die einen überaus reizvollen Querschnitt durch die äußerst heterogene polynesische Kultur bot. Die Atmosphäre fotografisch festhalten zu wollen ist ein sinnloses Unterfangen, zu mal Blitzlicht verboten ist. So ließen wir die faszinierenden Körperbewegungen auf uns wirken. Den Höhepunkt bildete schließlich der fire-knife-dance des samoanischen Kriegers, der ein zweiklingiges, brennendes Messer mit rasierklingenscharfen Haken eindrucksvoll und zielsicher durch die Luft wirbeln lies, ohne auch nur einen einzigen Finger oder andere Körperteile dabei zu verlieren.



Trotz des hohen Kitschfaktors ist das Center wirklich sehenswert und lehrreich, lediglich die Fußmärsche auf dem Gelände addieren sich zu einer ordentlichen Strecke. Dies ist ein weiterer Grund - neben der Überflutung mit Eindrücken - daß man am Abend ermattet in den Sitz des Buses zurück nach Waikiki sinkt

Dienstag, 06. Jänner 2009

California 1 und Waikiki

California 1 ist die offizielle Bezeichnung der Küstenstraße zwischen San Francisco und Los Angeles. Diese schlängelt sich an der Pazifikküste entlang und die Bewältigung der gesamten Strecke ist mit ca. 8 Stunden zu veranschlagen. Dabei passiert man einige landschaftlich sehr reizvolle Punkte und einige Nationalparks, die wir natürlich nicht erkunden konnten, denn die Zeit drängte.










Wir waren endlich in Los Angeles angekommen, wo wir unseren Cadillac an einen zwielichtigen Chicano – eine Verballhornung von Mexicano und eigentlich eine recht unschmeichelhafte Bezeichnung für die Latinos – verscherbelten. Auf jegliches Sightseeing in der Stadt verzichteten wir, Hollywood, Beverly Hills oder Bel Air erschien uns einfach zu uninteressant. Unser Cadillac war nun unwiderruflich dahin, er war uns nach all der Zeit ans Herz gewachsen und hatte uns sicher und äußerst bequem durch Arkansas gebracht, den täglichen Weg auf die Universität mit Bravour gemeistert und uns schließlich durch sieben Staaten, drei Zeitzonen und fünf Klimazonen transportiert. Natürlich hatte er uns auch einiges Kopfzerbrechen bereitet, als der Auspuff explodierte, als die Bremsen rumpelten, als das Getriebe versagte und ich den knapp zwei Tonnen schweren Panzer alleine über eine Kreuzung auf den Parkplatz eines Baumarktes schieben musste, als die Warnleuchten kundtaten dass trotz Ölwechsels zu wenig Öl im Motor war, als die Klimaanlage auf Grund eines Lecks ausfiel… das war alles vergessen als der Abschied kam. Hoffentlich behandelt der Chicano den Wagen gut, uns war er ein treuer, wenn auch doch nicht so immer zuverlässiger Kamerad gewesen. Er war wahrscheinlich der letzte Cadillac unseres Lebens.
Der Flug von Los Angeles nach Honolulu auf Oahu, Hawai’i, schlägt mit sechs Stunden zu Buche. Der Jammer allerdings war, dass der Flug eineinhalb Stunden Verspätung hatte, die wir auf dem recht ungemütlichen und überfüllten Terminal zubringen mussten. Offensichtlich waren wir nicht die Einzigen gewesen, die von einem Jahreswechsel unter Palmen träumten. Auf Grund der Nähe zum Äquator und der Jahreszeit war es leider schon dunkel als wir das Archipel im Pazifik erreichten, doch wirkte das nächtliche Hawaii nicht anders als der Rest der USA, Beleuchtung en mass!
Am Flughafen wurden wir ganz stilgerecht mit einem Lei, einem Blumenkranz empfangen, allerdings hatten wir das ja auch gebucht und bezahlt. Solche idyllischen Empfänge auf den Inseln, wie in Elvis‘ „Blue Hawaii“ gehören in Zeiten des Massentourismus endgültig der Vergangenheit an. Die Taxifahrt durch das abendliche Honolulu zu unserem Quartier, dem Hawaii Prince Hotel Waikiki, direkt am kleinen Sporthafen von Waikiki, fand leider durch die vorangeschrittene Müdigkeit kaum Beachtung, zu sehr sehnten wir uns nach einem weichen Bett; und ein solches sollten wir auch bekommen.


- Der Blick aus unserem Hotelzimmer -

Sonntag, 04. Jänner 2009

Tiki Time in Frisco

Der Tonga Room in Fairmont Hotel ist eine der letzten echten Tikibars der glorreichen Ära, die bis in die 1930er Jahre zurückreicht. Wie in den Trader Vic’s Lokalen gibt es einen Barbereich – die Hurricane-Bar - und einen Dining-Bereich. Das Lokal im Keller ist wie das Deck eines Segelschiffes aufgemacht, in der hinteren Hälfte befinden sich, um eine Lagune positioniert, indem auf einem Boot sitzend, die Band spielt, einige palmblattgedeckte Tische. Zum Glück war keine Band anwesend, den die Buschtrommeln haben uns zugetragen, dass es sich um eine Combo handelt, die 1970er Jahre Pop bietet, also keine Spur von Exotica oder Hapa Haole. Gerade in einem solchen Ambiente ist das eine Grausamkeit für die es keine Entschuldigung geben kann. Der besondere Gimmick im Tonga Room ist der tropische Regen samt Donnergrollen und Blitzen, der halbstündlich im Lokal niedergeht, gespeist aus einer Sprinkleranlage. Die Suggestion der Bar in den Tropen ist beinahe perfekt. Wir orderten eine Lava-Bowl für zwei Personen, ein sehr guter Cocktail, der durch sein fruchtiges Aroma und seiner Orangenlikör-Note besticht, die mit dem dunklen Barbados-Rum harmoniert und mit einem Schüsselchen Edelnüsschen an den Tisch kam. Auch eine Spur Honig glaubten wir in der Lava-Bowl herausschmecken zu können. Das Kompliment der guten Kreation können wir an den Mai Tai nicht weitergeben, der im Kokosnussbecher an den Tisch kommt, er hat im Tonga-Room ein scharfes, beinahe rauchiges Aroma, welches ein bisschen an den Samoan Fog Cutter erinnert, sollte tatsächlich eine Spur Brandy im Mai Tai sein? Auf jeden Fall handelt es sich nicht um das Victor-Bergeron-Rezept. Die Ausstattung des Tonga Rooms besteht neben den verwendeten Teilen des Segelschiffes, jeder Menge Bambus und Rattanmatten aus Schnitzereien in Form von Tikis und einigen authentischen Kriegskeulen. Wie in jeder Tiki-Bar ist es unmöglich, die Atmosphäre im Lokal, die durch eine dezente Beleuchtung in orangem Licht erzeugt wird, fotografisch festzuhalten.






Danach taumelten wir in die Bamboo-Hut am Broadway, in nächster Nähe des Beat-Museums. Es ist eine kleine Tiki-Bar, wie sie seit dem von Sven Kirsten initiierten Tiki-Revivals zur Jahrtausendwende zuhauf eröffnet wurden. Von außen ist die Bamboo Hut schon klar als solche zu erkennen, Bambus und ein Tiki zeigen wo es lang geht. Das Lokal weist drei bequeme ledergepolsterte Nischen auf, der Rest der Sitzplätze verteilt sich auf die Bar. Ein paar Tikis, Surfbretter, Rattan, Bambus und ein cooler surfender Affe hinter der Bar zaubern ein exotisches Flair in die kleine Bamboo-Hut, die ihren Namen zu Recht trägt. Im kurzen Gespräch mit dem netten Barkeeper, der keine Ahnung von der Existenz des Lokals in Teitelbaums Buch hatte, erfuhren wir ein bißchen etwas über die Besitzverhältnisse und die Geschichte des Lokals. Die Vulcano-Bowl, die wir auf unsere Frage nach einem Tropical Drink vorgesetzt bekamen und als Spezialität des Hauses gilt, wird in einer Vulcano-Bowl – was sonst – serviert, einem Tiki-Mug mit einem kleinen Vulkan in der Mitte, indem ein hochprozentiger Rum entzündet wird. Der Cocktail kommt direkt aus dem Blender und besteht zu einem großen Anteil – es ist knapp ein Liter! – aus Ananas-Püree, weißem und dunklem Rum. Kurz, der Sechter war einfach zu viel für uns und das elektronische Gedudel aus der Hausanlage machte den Aufenthalt in der ansonsten sehr netten Bar alles andere als angenehm.

Das nächste Lokal sollte das Hawaii West in fußläufiger Entfernung werden. Doch dort angekommen mussten wir mit Entsetzen feststellen, dass das beschriebene Interieur leider rausgeflogen ist. Zwar ist im Großen und Ganzen das Thema geblieben, doch die ukrainische Kellnerin Olga hatte keinen blassen Schimmer was ein Mai Tai sein soll, sie konnte uns leider nur Bier anbieten. Ins Auge stachen aber die extrem lässigen Aufkleber an der Scheibe.

If you're going to San Francisco...

San Francisco ist auf vierzig Hügeln errichtet und befindet sich auf einer Halbinsel zwischen dem pazifischen Ozean und der San Francisco Bay. Am Ostufer der Bay befinden sich Orte wie Oakland oder San Leandro. Leider landeten wir in Oakland im Stau und es dauerte an die zwei Stunden, bis wir über die Oakland Bridge, die die San Francisco Bay überspannt, in die Stadt kamen. Das Straßenbild der Stadt ist durch TV und Filme hinreichend bekannt, schnurgerade führen die rasterförmig angelegten Straßen über die Hügel und weisen teils abenteuerliche Steigungen und Gefälle auf. Die Einwohner von San Francisco wirken irgendwie anders als die übrigen Amerikaner, etwas entspannter, zurückgelehnter und offener; die Stadt zählt in den gesamten Staaten als eine der beliebtesten Destinationen für Leute die die etwas andere Erholung suchen. Diese Faszination geht sicherlich vom Stadtbild selbst als auch auf die Tatsache zurück, dass Frisco, wie man die Stadt kurz nennt, in den 60er Jahren das Epizentrum für die Antikriegsbewegung und die Blumenkinder war, kurz, in Frisco spielte die Alternativbewegung immer eine große Rolle. Aber schon vorher war die Stadt eine wichtige Destination für Querdenker und stilprägende Literaten, wie die Aufenthalte von Jack Kerouac, Neal Cassady und William Burroughs zeigen. (Am Broadway sollten wir auch über das Beatnik-Museum stolpern) Zu den absoluten Pflichten gehörten der Besuch von Chinatown, jenes Stadteiles, indem sich die chinesischen Einwanderer, die vor allem während der Errichtung der transkontinentalen Eisenbahnlinien im vorvorletzten Jahrhundert ins Land strömten, niederließen, die Golden Gate Bridge, der Hafen im Nordosten der Fisherman’s Wharf genannt wird und der vor allem für seine Landungsstege und Fischrestaurants bekannt ist, die Mission Street mit ihren Geschäften, dem bunten Treiben der multikulturellen Einwohner und natürlich sämtliche Tiki-Bars, die wir finden konnten, wie der unglaubliche „Tonga Room“ im Untergeschoß des Nobelhotels „The Fairmont“ oder die Bamboo Hut am Broadway. Die Tour zur Gefängnisinsel Alcatraz, die inmitten der Bay liegt, war leider schon über mehrere Tage ausgebucht, wir konnten die Insel nur vom gegenüberliegenden Ufer anstarren. Nun ja, ein Knast ist ja schließlich auch nur ein Knast, auch wenn er einer der berühmtesten der Welt ist. Letztendlich führte der tägliche Arbeitsweg auch an der Karlau vorbei. Vielleicht sollten wir einmal nach Krems fahren und uns die Haftanstalt Stein anschauen? Auch auf eine Fahrt in den berühmten Cable-Cars verzichteten wir, dafür ließen wir uns, imperialistische Ausbeuter wie wir nun einmal sind, den Cadillac, an dem noch immer der Straßendreck Nevadas klebte, von ein paar Mexicanos für kleines Geld per Hand waschen, auf das keine maschingesteuerte Borste den edlen Lack zerkratze - Nun ja, 25 Dollar für die Autowäsche, da muss keiner dafür hungern…

Die Fahrt über die Golden Gate Bridge, deren markante Pylone aus der Nähe doch eine ganz andere Struktur aufweisen, als man auf den Fotos vermutet, ist in Richtung Norden mautfrei, die Fahrt Richtung Süden kostet immerhin 4 Dollar. Hat sich nicht auch einmal Johnny Weissmüller als Tarzan über die Golden Gate Bridge geschwungen? Oder war das die Brooklyn Bridge in New York? Egal, für solche Abenteuer ist die Brücke heutzutage ohnehin zu überfüllt. Aussichtsplattformen an beiden Enden sind derartig von Menschenmassen überflutet, dass einem schwindlig werden kann, die Brücke ist schließlich weltberühmt.

Danach fuhren wir mit dem Cadillac ein bisschen durch die Stadt, Hügel rauf, Hügel runter, vorbei an den berühmten viktorianischen Häusern, nicht ganz so schwungvoll wie Karl Malden und Michael Douglas oder Steve McQueen. Teilweise sind die Straßenzüge so steil, dass man befürchtet mit dem Wagen aufzusitzen.

video

Musik: Ann Margret - "Slowly". Von: The Very Best Of Ann Margret, RCA 2001.

Chinatown ist ein buntes Gemisch aus Restaurants, asiatischen Lebensmittelgeschäften, Ramschläden und Touristenfallen. Wer jemals John Carpenters Film „Big Trouble in Little China“ mit Kurt Russell als heldenhafter Lastwagenfahrer Jack Burton gesehen hat, der unversehens in ein obskures Abenteuer mit Geistern, Dämonen und Kriegern unter den Straßen dieses Viertels gerät, dem sei hier gesagt, sowie in den ersten Szenen des Filmes sieht es hier tatsächlich aus. Es hat sich hier wahrhaftig eine Parallelgesellschaft etabliert, die ihre eigenen Werte und Traditionen bewahrt hat. Trotz alledem leben in Frisco die unterschiedlichsten Ethnien in Frieden zusammen, so trifft man in Chinatown sowohl Chinesen, aber auch Russen, Skandinavier, Latinos und angelsächsiche Amerikaner, neben den Massen von Touristen aus allen Herren Länder, die sich tagtäglich durch die Straßen schieben. Unzählige Buden offerieren Köstlichkeiten, deren Zutaten man nicht immer hinterfragen sollte, wundersame Düfte ziehen durch die Luft, der Lärm der Händler und Touristen dringt ans Ohr, ohne zu aufdringlich zu sein. In unmittelbarer Nähe zu Chinatown steht auch das Transamerica-Building, auch Transamerica-Pyramide genannt, eines der markantesten Wahrzeichen der Stadt, dass die Skyline beherrscht.











Übrigens, wir trugen keine Blumen im Haar als wir in die Stadt kamen…

Samstag, 03. Jänner 2009

Quer durch Nevada

Nevada ist das Paradies für alle glücksspielbegeisterten Amerikaner, eine Leidenschaft, die wir wohl so nicht ganz nachvollziehen können. Von Las Vegas haben wir schon ausgiebigst berichtet, wobei aber festzuhalten ist, dass Vegas wirklich einmalig ist. Bereits das erste Kaff unmittelbar hinter der Grenze zu Utah, West Wendover, kann sich rühmen, fünf verschiedene Casinos zu beheimaten, bei einer Einwohnerzahl von nicht einmal fünftausend Seelen. Selbstverständlich sind die Parkplätze vor allem mit Autos mit Kennzeichen aus Utah besetzt – die Fahrt durch die Bonneville Salt Flats, eine flache Salzwüste, scheint hierfür keineswegs zu beschwerlich. Der Name Bonneville Salt Flats geht auf den prähistorischen Salzsee zurück, dessen letzter Überrest der Great Salt Lake westlich von Salt Lake City ist und der eben Bonneville-See genannt wird. Gleichzeitig ist der Bonneville-Salzsee, oder viel mehr die Bonneville-Salzkruste oder auch Große Salzwüste auch Namensgeber für motorisierte Fahrzeuge, denn die flache Struktur ist ideal für Geschwindigkeitsrekorde. Beispiele hierfür seien die Triumph Bonneville oder der Pontiac Bonneville. Jährlich findet hier auch ein Motorsport-Festival der Superlative statt, sowohl eines der größten Motorradtreffen der Welt als auch Geschwindigkeitsrennen und Stunts sind Bestandteil dieser Veranstaltung, die dem Ort den Beinamen „Speed Capital oft he World“ eingebracht haben.



Wendover ist wieder einmal ein anschauliches Beispiel für die „Oberflächlichkeit“ der amerikanischen Gesellschaft. Die Casinos sind Prachtbauten und bieten jeden Luxus, den sich der Gast nur wünschen kann – so lange er sein Geld hier lässt. Etwas weiter die Straße runter und dann um den Block liegen die Behausungen der Stadtbewohner, die zu einem erheblichen Teil aus aufgebockten Trailern bestehen, Unterkünfte die in diesem Klima vor allem im Winter erhebliche Heizkosten verursachen. Doch kurz zur Oberflächlichkeit. Man kann sich als Zentraleuropäer nicht des Eindruckes erwehren, dass alles in Amerika, seien es Gebäude, Geschäfte, die Gesellschaft als Ganzes, sich vor allem um die Erhaltung oder Erstellung eines gewissen oberflächlichen Glanzes dreht. Bohrt man etwas tiefer kommen die für den Europäer so seltsam wirkenden Unpässlichkeiten ans Tageslicht. Im Hochbau kommt dies darin zum Ausdruck, dass die meisten Gebäude in einer „Baloon“ genannten Holzkonstruktion, bestehend aus Brettern mit einem Inch (2,54cm) Stärke, zusammengenagelt werden. So stabil wie ein Ballon sind die Dinger dann auch. Allerdings muss man gestehen dass auch die Reparaturen an solchen Bauten kostengünstiger sind. In unserem Haus in Little Rock konnten wir einen Blick auf die Zu- und Abwasserinstallationen unter dem Fußboden werfen, die hängend im Hohlraum zwischen Erdreich und Boden ausgeführt sind und somit leicht zu warten und zu reparieren sind. Allerdings hatte sich die Bude auf Grund des Mangels einer ausreichenden Fundierung auch schon gesetzt, was durch hängende Fußböden klar zu erkennen war. So hebt ein Nachteil den Vorteil auf. Jedenfalls werden die billigen Konstruktionen an Gebäuden oft durch aufgeklebte Steinplatten kaschiert und eine andere Bauweise suggeriert. Und genau so verfahren die Amis mit vielen Dingen, es wird kaschiert, getäuscht und getarnt. Man bekommt beispielsweise schnell und gern Auskunft bei Fragen, denn die Leute sind extrem freundlich und zuvorkommend. Doch leider stimmen die Informationen, die man bekommt, oft überhaupt nicht - diese Erfahrung machten wir öfter als einmal – wieder hat man den Eindruck das hier die Oberfläche poliert wird, aber die Struktur dahinter zu wünschen übrig lässt. Dieses System findet auch in der Handhabung von Medikamenten seinen Niederschlag, man hat den Eindruck dass Amerikaner Medikamente, die ohnehin ungleich stärker als in Europa und teilweise auch ohne ärztliche Verschreibung im Drugstore erhältlich sind, sehr viel und gern benutzen, und nicht nur zu medizinischen Zwecken, starke Schmerzmittel sind eine beliebte Freizeitdroge. Der Glauben an die Pharmaindustrie und die Allheilkraft ihrer Produkte findet in einer oberflächlichen Bekämpfung von Krankheitssymptomen anstatt von Ursachen seinen Platz im Alltag der Amerikaner; ein Irrglaube der auch King Elvis das Leben kostete. Doch auch in Europa sind wir auf diesem Weg.


Das Große Becken und die Bergpässe, die wir passierten, vermittelten uns den Eindruck des tiefsten Winters. Im Gegensatz zu den Pässen in Colorado werden die Straßen in Nevada offensichtlich nicht mit der gleichen Gründlichkeit geräumt. Die Sattelzüge, die im Schneckentempo die Straßen den Berg rauf und runter krochen, mussten sich mit Schneeketten behelfen, um nicht von der Fahrbahn zu rutschen. Der Cadillac wiederum glitt wie auf Schienen dahin. In einem kleinen Kaff machten wir Halt, denn die hereinbrechende Dunkelheit machte die Weiterfahrt zu einem riskanten Unterfangen. Der Ort, indem wir unterkrochen, war trostlos wie viele andere auf unserem Weg. Aber eines unterscheidet ihn von den vielen anderen, durch die wir geglitten waren, er verfügte über ein Casino, denn schließlich befanden wir uns auf nevadischer Erde! Sogar in den Weihnachtsfeiertagen hat das Spielcasino geöffnet und was noch befremdlicher wirkte, es gibt tatsächlich Menschen die die Feiertage in diesen Spelunken verbringen! Aber „in the land of the free and the home of the brave“ hat jeder die Freiheit der Wahl seines Zeitvertreibes.

Am nächsten Tag rollten wir nach Reno, an der kalifornisch-nevadischen Grenze. Betreten hatten wir Nevada durch eine Casinostadt, verlassen würden wir es also auch auf diesem Weg. Von der Stadt mit dem Beinamen „The Biggest Little City in the World“ hatten wir schon viel gehört und unsere Neugierde sowie Teitelbaums Empfehlung der Vintage-Neon-Schilder an der Hauptstraße führten uns nach Downtown. Nun ja, Reno ist einfach eine billige, abgenudelte, verkleinerte und schmutzigere Version von Las Vegas und scheint seine größte Zeit schon längst hinter sich zu haben. Casinos, Motels und Pfandleiher reihen sich aneinander, vor allem bei Tageslicht ist die Trostlosigkeit bedrückend und am liebsten möchte man diesen Ort Hals über Kopf verlassen. Traurig ist das Schicksal der Stadt deswegen, da Reno schon einige Zeit länger als Las Vegas existiert und bevor die verschwenderische Wüstenstadt im Südzipfel Nevadas als Entertainment-Hauptstadt der USA bekannt wurde, eigentlich Reno diese Aufgabe erfüllte. Aber: Alles Irdische ist vergänglich.
Der Schneefall und das Tauwetter hatten die Stadt in einen ungemütlichen Abklatsch seiner selbst verwandelt, das Publikum, dass durch die Straßen schleicht, wirkt ebenfalls etwas heruntergekommen. Vielleicht waren auch alle schon mehrere Tage auf der Straße, so wie wir, denn wir machten sicher auch nicht den vertrauenerweckendsten Eindruck. Bei asiatisch-stämmigen Amerikanern scheint Reno aber nachwievor hoch im Kurs zu stehen, denn viele der herumstreundenden Familien hatten einen solchen Hintergrund. Nachdem wir uns umgesehen hatten und ein paar der Neonschilder für die Nachwelt dokumentiert hatten, verließen wir endlich fluchtartig die Stadt.






Über den Donner-Pass in der Sierra Nevada kamen wir nach Kalifornien. Unterwegs stockte der Verkehr zwar ordentlich, denn viele der asiatisch-stämmigen Amerikaner krochen mit 20 Meilen pro Stunde über den zwar geräumten, aber am Bankett mit Schnee bedeckten Interstate, wohl in der Angst einen Unfall zu erleiden. Die Nerven vieler Autofahrer lagen blank und es kam zu halsbrecherischen Überholmanövern und Spurwechseln, die des Öfteren tatsächlich beinahe in Unfällen endeten. Irgendwie kam die Erinnerung an die italienischen Wintergäste in Kärnten oder Osttirol hoch, die sich durch ein ähnliches Fahrverhalten auszeichnen. Wenige Meilen nach der kalifornischen Grenze war dann auch der Schnee verschwunden und das Wetter war erheblich milder, eine uns eigentlich zur rechten Zeit kommenden Tatsache, die sich in den nächsten Tagen noch steigern sollte.

Montag, 29. Dezember 2008

Utah und der Große Salzsee

Der Morgen unseres vierten Reisetages begann mit einem Abstecher in den Nobelskiort Aspen, den wir vor allem aus dem Film „Dumm und Dümmer“ kennen. Die Tatsache, dass es sich um einen elitären Skiort mit extrem hohen Preisen, sowohl für Immobilien als auch für ordinäre Lebensmittel handelt, konnte uns nicht davon abhalten, die knapp 40 Meilen lange Fahrt anzutreten. Warum die amerikanische Straßenmeisterei, sollte es eine solche geben, jedoch auf die Split- oder Salzstreuung in Richtung Aspen verzichtet, wird wohl für immer ein Mysterium bleiben. Vielleicht soll auch einfach nur der Pöbel abgehalten werden, die Reichen und Schönen in ihrem Refugium zu belästigen. Nach einer Stunde Fahrtzeit und schweißnassen Händen hatten wir es aber trotzdem geschafft. Mehr als eine Tasse Kaffee trinken wollten wir in dem Ort ohnehin nicht. Im Grunde unterscheidet sich Aspen in keinster Weise von heimischen Orten gleichen Couleurs, wie Sankt Anton oder Kitzbühel. Irgendwie hat man hier den Eindruck dass sich der amerikanische Geldadel ein gewisses europäisches Flair herbeiwünscht, so sind die zahlreichen Edelboutiquen durchwegs mit den Namen europäischer Modeschöpfer und Marken geschmückt. Die Preise der Skipässe liegen mit ca. 1700 Dollar für einen 20-Tage-Pass etwa im gleichen Bereich wie in Europa. Da aber der durchschnittliche amerikanische Arbeitnehmer mit einem Jahresurlaubsanspruch von zwei Wochen vorlieb nehmen muss, ist hier bereits klar, welches Publikum in Aspen verkehrt.






Bei der Rückfahrt legten wir als Etappenziel des Tages die Mormonenstadt Salt Lake City in Utah fest. Durch die Rockies auf dem Interstate 70 ging es mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 85 Meilen, etwas flotter als das Gesetz erlaubte, denn der Weg nach Salt Lake City war weit. Hatten wir noch geglaubt, die Landschaft in Texas oder Oklahoma wäre wegen ihrer Weite beeindruckend, wurden wir hier eines Besseren belehrt, nämlich dass es noch weiter, noch leerer und noch verlassener geht. Die Rockies lagen zurück und das Vorgebirge ging in Hügeln und schließlich in eine Ebene über. Auf dem Interstate 70, dem wir bis zur Abzweigung der US 6 folgten, sahen wir Hinweisschilder, die darauf aufmerksam machten, dass es auf den nächsten hundert Meilen weder Benzin, noch Toiletten oder Restaurants gibt. Wiederum gibt es parallel eine Bahnlinie der Union Pacific, deren Züge aber aus unerfindlichen Gründen mitten in der Einöde stehen, ein durchaus Beckett’sches Attribut. Jedenfalls ist der Anblick dieses Landes wirklich atemberaubend, denn man sieht über Meilen nicht das geringste Bauwerk. Lediglich die Straße selbst, die Bahnlinie und die begleitenden Hochspannungsmasten sind Zeugen der menschlichen Anwesenheit und Besiedelung. Wie dieses Land wohl zu Zeiten der Natives gewirkt hat, kann man zwar nur erahnen doch ist man dennoch tief berührt. Weitläufiger kann die Landschaft wirklich nur mehr in Sibirien sein.




Hinter Green River – zufällig hatten wir genau Green River von CCR im Radio – zweigt die US 6 Richtung Norden ab. Knapp 180 Meilen sind es von hier bis nach Salt Lake City, in drei Stunden sollten wir es schaffen. Zuerst ewig durch die Ebene, mit Tafelbergen im Osten, ging es wieder etliche Meilen schnurgerade dahin, ehe die Straße in die Berge aufsteigt. Da bereits die Dunkelheit hereingebrochen war, war die Fahrt auf der kurvigen Bergstraße nicht der beste Zeitvertreib, zu mal sich zusätzlich auch noch Niederschlag in Form von Schneeregen angesagt hatte. So glitten wir durch die Berge in Richtung Norden, aber dort, wo es kaum Behausungen gibt, konnte man bereits einen Lichtschein im Norden ausmachen – die Beleuchtung von Salt Lake City, die zum Himmel strahlt. Diese beeindruckende Illumination machte Appetit auf mehr.

Am nächsten Morgen machten wir uns daran, Salt Lake City etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Stadt liegt in unmittelbarer Nähe zu den Bergen, blickt man die schnurgeraden Avenues hinunter, bleibt der Blick unweigerlich an den schneebedeckten Gipfeln jenseits der Stadtgrenze hängen. Kaum 30 Minuten Autofahrt von Downtown entfernt befinden sich die größeren Skigebiete. Gemeinsam mit Colorado ist Utah das Ziel für skibegeisterte Amerikaner. Natürlich wollten wir uns auch den Mormonentempel, oder korrekt ausgedrückt, den Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, nicht entgehen lassen, der sich am Templesquare im Norden der Stadt befindet. Ehrlicherweise muss man bei dieser Gelegenheit festhalten, dass der Tempel mit seiner goldenen Engelsstatute an der Spitze zwar prächtig ist, aber bei weitem nicht so groß wie man eventuell erwarten würde. Kein Zweifel kommt allerdings hinsichtlich der Bedeutung Salt Lake Citys als Finanz- und Verwaltungszentrum von Utah auf, denn einige Bankgebäude sind erheblich größer und höher als der Tempel. Allerdings trifft das auch auf das mormonische Konferenzzentrum und die Ahnenbibliothek zu. Die Ahnenforschung spielt in dieser Religion eine wichtige Rolle, da damit auch die Seelen der Verstorbenen nachträglich gerettet werden können. Insgesamt ist die Bebauung in der Stadt gemischt, Neubauten aus Stahl und Glas neben Ziegelbauten. Dadurch wirkt die Stadt sehr lebendig, obwohl sich auf Grund der Weihnachtsfeiertage kaum eine Menschenseele auf den Straßen befand. Trotzdem ist die Stadt alles andere als spießig, etwas weiter die State Avenue in Richtung Süden runter – das typisch rasterförmige Straßennetz ist exakt nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet – befinden sich eine Menge Szene-Boutiquen, Tätowiersalons, ethnische Restaurants und Gebrauchtwarenhandlungen. Salt Lake City ist mit Abstand die sauberste Stadt, die wir im Zuge dieser Reise besuchten, ob dieser Umstand auf die Mormonen zurückzuführen ist, ist weder klar noch ausgeschlossen.





Schließlich suchten wir auch noch den berühmten Great Salt Lake auf, der sich in gar nicht unmittelbarer Nähe der Stadt befindet, die Fahrtzeit von Downtown beträgt über den Interstate knappe 20 Minuten. Offensichtlich war der Wasserstand durch den Winter etwas gesunken, denn der Blick auf den salzigen Schlamm am Grund war frei, die Wasseroberfläche befand sich ca. 200 Meter vom eigentlichen Ufer entfernt. Das Ausmaß des Sees ist enorm, die gegenüberliegenden Ufer sind nicht auszumachen. Interessanterweise wird der See, dessen hoher Salzgehalt das Schwimmen in der passenden Jahreszeit zu einer einfachen Übung macht, auch wirtschaftlich genutzt. Eine spezielle Krebsart wird als Fischfutter gefangen, weiters ist der See ein wichtiger Lieferant für diverse Salze die in der chemischen Industrie ihre Verwendung finden. Auch das Wasser wird, nachdem es entsalzt wurde, als Trinkwasser genutzt. In dieser Saison spielt sich bei durchschnittlich drei Grad Celsius natürlich am See gar nichts ab. Da außerdem auch noch der Wind pfiff, zwar nicht so schneidend und eisig wie in Oklahoma, aber trotzdem ordentlich, schauten wir zu dass wir weiterkamen, schließlich lag noch eine Wüste zwischen uns und unserem Ziel im nächsten Staat.