Mittwoch, 3. Dezember 2008

Thanksgiving

Thanksgiving, eines der wichtigsten amerikanischen Familienfeste, wird traditionellerweise am vierten Donnerstag im Monat November begangen. Sharon, eine Kollegin aus einer Lehrveranstaltung, hatte uns in ihr Elternhaus eingeladen, um dieses Fest hautnah miterleben zu können, eine Gelegenheit, die wir nur zu gerne wahrnahmen. Der Familiensitz der Boehms in der besten Gegend von Little Rock ist ein recht mondänes Anwesen mit eigenem Fussballplatz für die Enkelkinder, zwei sehr grossen Mercedes-Automobilen vor der Tür und an die sechs bis sieben Hunde, die sich auf dem ausgedehnten Grundstück tummeln. Ausser uns und der Familie waren auch noch zwei Studenten aus Saudi-Arabien eingeladen, die wohl so wie wir keinerlei Erfahrung mit diesem Festtag hatten. Das Festessen bestand aus den traditionellen Komponenten, die wohl jeder aus diversen Filmen und dem Fernsehen kennt; einem gebratenen Truthahn enormen Ausmasses, Süsskartoffelpüree, Kartoffelpüree, gedünstetem Brokkoli, Maccaroni mit Käse, Bratensosse, Truthahnfülle, Cranberrysosse – sowohl eine wohlschmeckende, von Frau Boehm selbst zubereitete mit einer sehr fruchtigen Note und eine geleeartige aus der Dose – und Brötchen. Frau Boehm ist eine ausgezeichnete Köchin, eine Eigenschaft die man wohl den wenigsten amerikanischen Hausfrauen zusprechen kann, den das gesamte Menü war einfach köstlich. Als Nachspeise gab es dann eine Auswahl von Kürbiskuchen und Süsskartoffelkuchen, die wohl eher an Pasteten erinnern, aber trotzdem äusserst wohlschmeckend, wenn auch in ihrer Konsistenz ungewöhnlich, waren.
Die Legende besagt, dass Truthahn, Cranberries und Kürbis jene Nahrungsmittel waren, die die Pilgerväter bei dem ersten Fest im Jahre 1621 zur Verfügung hatten und mit dem sie die Indianer, die ihnen nach der Landung in Massachusetts über den ersten Winter in der Neuen Welt geholfen hatten, bewirteten.

- Die Köchin mit Enkelsohn -

- Die Boehm-Mädels und ihre Kuchen -

- Anstehen zum Essenfassen -

Am Tag nach Thanksgiving, dem "Black Friday" beginnt übrigens die Saison der Weihnachtseinkäufe. Viele Geschäfte locken mit Schnäppchenangeboten, deshalb stehen die Leute schon am Abend davor Schlange, das heisst dass der Thanksgiving-Abend auf einem Klappstuhl vor einem Geschäft verbracht wird. In diesem Jahr gab es bei dem Ansturm ein Todesopfer in New York zu beklagen, ein Wal-Mart-Mitarbeiter wurde zu Tode getrampelt. In Texas gab es sogar eine Schiesserei in einem Spielwarenladen - ein schöner Start in die besinnlichste Zeit des Jahres.

Montag, 1. Dezember 2008

In Oklahoma, Babe!

Nachdem wir in den letzten Wochen von unseren universitären Verpflichtungen überaus stark beansprucht wurden und wir unserer selbstauferlegten Pflicht, regelmäßig aus Arkansas zu berichten, nicht ausreichend nachgekommen sind, freut es uns nun besonders hier verlautbaren lassen zu können, dass sich der Dunst des Streberns und Lernens nun allmählich zu lichten beginnt und das Semesterende für uns mit sehr zufriedenstellenden Ergebnissen in den Kursen in unmittelbare Sichtweite gerückt ist. Da es aus der Ottenheimer-Bibliothek der UALR, die zwar überaus gut bestückt ist – es gibt immerhin drei verschiedene Buddy-Holly-Biografien - keinerlei Erlebnisse zu berichten gibt, die für Nicht-Teilnehmer der von uns belegten Lehrveranstaltungen interessant wären, haben wir uns entschlossen, einige Stories zu veröffentlichen, die vielleicht nicht mehr ganz brandaktuell sind, aber unter Umständen dennoch den/die eine(n) oder andere(n) interessieren könnten.

Jene kleine Fahrt nach Oklahoma, einen im Westen angrenzenden Staat, der vor allem für den Run auf Oklahoma im Jahre 1889 bekannt ist, jenes Ereignis, dass auch in einem Lucky-Luke-Band sowie im Film „In einem fernen Land“ mit Tom Cruise und Nicole Kidman seinen Niederschlag fand, ist eine jener kleinen Geschichten.
Nachdem wir uns damals im Ernest-Tubb-Record-Store in Nashville, TN, zu Beginn unserer Reise mit einem kleinen Vorrat an Tonträgern aus dem Genre „Country“ ausgestattet hatten, unter denen sich das neueste Werk des Hillbilly-Troubadours Wayne „The Train“ Hancock befindet, dass mit dem wenig klingenden Namen „Tulsa“ – der Name der zweitgrößten Stadt in Oklahoma - betitelt ist, wuchs die Neugier auf den „Sooner-State“. Weiters lag uns auch nach mehreren Jahren Abstinenz noch immer der Tom-Powder-and-the-Portfires-Hit „Oklahoma Baby“ in den Ohren. Die Lektüre von John Steinbecks Klassiker „Früchte des Zorns“, die Geschichte über eine Familie von Okies – die Bezeichnung für die Einwohner dieses Staates – die im Zuge der großen Depression in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts auf Grund einer Dürre ihre Farm in der sogenannten „Dustbowl“ in Richtung Kalifornien verlassen muss, war ebenfalls noch lebhaft in Erinnerung. John Steinbecks Roman wurde übrigens schon wenige Jahre nach dem Erscheinen mit Spencer Tracy in der Hauptrolle verfilmt, leider können wir diesen Film weder empfehlen noch davon abraten, da wir ihn selbst noch nicht gesehen haben. Und nicht zuletzt wurde das Oklahoma-Territorium auch als das Ziel jenes gigantischen Umsiedlungsprogrammes auserkoren, das unter dem Namen „Trail of Tears“ – der Pfad der Tränen – in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Dabei wurden die Stammesmitglieder der sogenannten „Fünf zivilisierten Stämme“ – Cherokee, Choctaw, Muskogee, Chickasaw und Seminolen – die ursprünglich östlich des Mississippi beheimatet waren, in die öde, flache, windige Ebene von Oklahoma getrieben, wobei an die 4000 Todesopfer, die den Strapazen des Marsches nicht gewachsen waren, zu beklagen waren. Die Möglichkeit, eine leibhaftige "Rothaut" - man verzeihe uns diese unsensible Ausdrucksweise - erblicken zu können, ist auf jeden Fall eine mehrstündige Fahrt im komfortablen und äußerst gut gefederten Cadillac wert.

Die Reise führte durch eine flache Landschaft, auf Grund des starken Windes – Oklahoma liegt in der „Tornado-Alley“, warum wohl, dürfte hoffentlich klar sein – waren überhaupt keine Blätter mehr an den Bäumen, obwohl es in Arkansas noch grün war. Schließlich kamen wir auch durch Muskogee, benannt nach einem der Stämme und bekannt durch den Merle-Haggard-Klassiker „Okie from Muskogee“ aus dem Jahr 1969, eine Stadt die relativ wenig zu bieten hat. Der Höhepunkt hier war der Besuch von „Braum’s“ einem Schnellrestaurant, dessen Erdbeer-Milchshakes die bislang besten sind, die wir je versucht haben. Am Straßenrand sahen wir auch den Hinweis auf einen Amish-Laden, jene Religionsgemeinschaft aus Pennsylvania, die auf jegliche moderne Technik verzichtet und das Ziel von so manchem Spott ist. Leider waren die Inhaber keine der Gläubigen sondern der Name ist lediglich eine Marketing-Strategie, um auf die „alte“ Zubereitungsweise und „Natürlichkeit“ der Köstlichkeiten, die feilgeboten werden, hinzuweisen. So gibt es hier Marmeladen, Kuchen, Kuchenfülle, Würste, Käse, Fudge und vieles mehr.
Die Native Americans, die als Wiedergutmachung für die an ihnen begangenen Gräueltaten das Privileg genießen, das ansonsten verbotene Glücksspiel in Casinos anbieten zu dürfen, nutzen diese Einnahmequelle vorwiegend um die überdurchschnittliche Armut und Arbeitslosigkeit innerhalb der Stämme zu bekämpfen. Interessanterweise waren jedoch alle Angestellten in den Casinos, die wir besuchten, Caucasians, also Weisse. Der Verlockung, die Automaten mit Quarters zu füttern, konnten wir locker widerstehen, schließlich hatten wir auch Las Vegas erfolgreich hinter uns gebracht, ohne ein Vermögen zu verlieren, weder ein kleines noch ein großes.

Tulsa selbst ist eine wenig spektakuläre Stadt, die größenmäßig so cirka Little Rock entspricht. Warum Wayne Hancock der Stadt ein ganzes Album gewidmet hat, war für uns nicht ersichtlich, doch trug auch der Wind, der durch ganz Oklahoma pfeift und zwischen den Hochhäusern von Downtown ganz ordentliche Geschwindigkeiten erreichen kann, dazu bei, dass wir uns auf keine explizite Erforschung der Stadt einließen.

Die Heimfahrt führte uns schließlich noch, vorbei an Kuhweiden – es ist beruhigend zu sehen, wie naturverbunden ein Hamburger aufwächst – in die Universitätsstadt Fayetteville, die allerdings bereits wieder in Arkansas liegt und als die Heimat der „Razorbacks“ bekannt ist. Allen Unkenrufen zum Trotz sind wir, vom überaus schönen und großen Campus inklusive der an Südstaaten-Anwesen erinnernden Verbindungshäuser keineswegs geblendet, durchaus froh, dass unsere Wahl für den Ort unseres Auslandssemesters zwischen Fayetteville und Little Rock auf letzteres fiel, denn die Kleinstadt in den Bergen bietet außer einem feuchtfröhlichen Studentenleben mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren keineswegs viel Abwechslung. Übrigens, Häuptling haben wir keinen einzigen gesichtet.


- die Tornado Alley -


- bei Braum's -



Ein "Cherokee-Casino"

Die gute Marge hat gewonnen. Schön!

- Der Hamburger in freier Wildbahn -


- angeblich hausgemachte Kuchenfülle - in welchem Haus? -


- Tulsa Häuserschlucht -

- die leeren Strassen von Tulsa, nix los -

- der Caddy in Tulsa -

- Das Razorback Stadium der Nachbar-Uni in Fayetteville -


- Sitz der Studentenverbindung Sigma Alpha Epsilon -

- Lambda Chi Alpha -

- ein eigenes Freilufttheater griechischen Stiles -

Dienstag, 11. November 2008

A damn big dam!

Die Morgenstunden unseres letzten Tages in Las Vegas nutzten wir, um den Hoover-Damm aufzusuchen, jenes Stauwerk des Colorado-Rivers, dass die Stadt mit Energie versorgt. Er wurde in den Jahren 1931 bis 1935 unter dem damaligen Präsidenten Herbert Hoover gebaut und gilt als Meisterwerk der Technik. Der Damm, der nur knapp 50 km süd-östlich von Las Vegas liegt, ist gar nicht so breit wie man vermutet, die Krone der Drossensperre in Kaprun ist länger. Allerdings beeindruckt der Hoover-Damm durch die Höhe seiner Talsperre, die knapp 220m beträgt. Der Blick runter zum Kraftwerk, dass sich der Staumauer vorgelagert befindet, war im ersten Moment nicht so beeindruckend, erst wenn man die Grösse der parkenden PKWs neben den Gebäuden bemerkt, realisiert man das gigantische Ausmass dieses Bauwerkes und die Tiefe.

- Die Anfahrt zum Lake Mead -








- Der Schlund der "spillway-tunnels", eine Art Notabfluss -








- klitzekleine Spielzeugautos da unten -


Der Stausee, der Lake Mead, ist mit einer Fläche von knapp 650 Quadratkilometern etwas grösser als der Bodensee und an seinen Ufern befinden sich auch mehrere Marinas. Der sogenannte „Badewannenring“ die Höchstmarke des Wasserstandes, war an den umliegenden Felsen auf Grund der weissen Färbung gut zu erkennen. Dieser Höchststand war offensichtlich schon längere Zeit nicht mehr erreicht worden, da sich bereits diverse Büsche an den Hängen festgesetzt hatten. Andererseits muss man auch bedenken, dass sich der See inmitten einer Wüste befindet und die Menge an Wasser, die täglich durch Verdunstung aus dem See entweicht, sicherlich ausreichen würde, den Trinkwasserbedarf so mancher österreichischen Kommune über einen längeren Zeitraum zu decken. Aber zum österreichischen Glück sind wir in der Heimat ja mit ausreichend Wasser versorgt, denkt man an weniger „gesegnete“ Landstriche, zum Beispiel im subsaharischen Afrika, schauts wieder etwas trauriger aus.

- die gestaute Seite mit dem "Badewannenring" -

Wir nutzten die Gelegenheit, um mit dem Dodge Charger, denn der Running Chef gemietet hatte, ein paar Meilen nach Arizona hinein zufahren, welches gleich nach der Talsperre beginnt. Die Landschaft in dieser Ecke von Arizona, der nordwestlichen, kommt einer Mondlandschaft gleich, Steine, Dreck, Geröll und seltsame Büsche, die jenen gleichen, die in Western-Filmen immer so eindrucksvoll vom Wind getrieben durch die Hauptstrasse rollen, kurz bevor das Duell beginnt, bestimmen das Bild. Die schnurgerade Strasse fuehrt ueber mehrere Meilen und der Running Chef nutzte die Gelegenheit, endlich die Geschwindigkeit des Dodge zu testen, da weit und breit kein Ordnungshüter zu sehen war – ganz ordentlich, was der Wagen bieten kann.
Bei der Rückfahrt nach Nevada offenbarte sich wieder einmal der Vorteil des Frühaufstehers – ein Stau aus Richtung Las Vegas, bestehend aus den Fahrzeugen von Ausflüglern zum Hoover-Damm hatte sich bereits gebildet. Zu unserem Glück hatten wir auf unserer Seite jedoch freie Fahrt, es galt immerhin den Flug zu erreichen.



- Die Wüste Arizonas -

Dienstag, 4. November 2008

Barack Obama ist Präsident!

Der fast zweijährige Krimi um die Nachfolge des wohl unbeliebtesten und umstrittensten Präsidenten der Vereinigten Staaten, George W. Bush ist endlich vorbei. Als der neue Präsident und mächtigste Mann der Welt wurde Barack Obama mit gehörigem Vorsprung gewählt, die Prognosen der lezten Wochen lagen also absolut richtig. Die Sensation ist perfekt, der erste afro-amerikanische Präsident der Vereingten Staaten von Amerika heißt Barack Obama!
Vom Republikaner George Walker Bush hat er als Demokrat nun die schwierige Aufgabe übernommen, das Land sowohl aus einer Wirtschaftskrise zu führen, als auch innenpolitisch und außenpolitisch heiße Eisen wie das Gesundheitssystem, illegale Immigration, die Kriege im Irak und Afghanistan und das zunehmend spannende Verhältnis zu Russland und China anzufassen.
George Bush, Jr. – an der Unbeliebtheit im eigenen Land hat er sogar Warren Gamaliel Harding überholt – hat es in acht Jahren Regierungszeit zu Stande gebracht, den Budgetüberschuss, der von der Clinton-Administration erwirtschaftet wurde, mit waghalsigen, gemeingefährlichen Projekten wie die Invasion im Irak und dem Krieg gegen die Talibanregierung in Afghanistan zu verjubeln, die außerdem noch unzählige Menschenleben forderten und die Lebensumstände von Millionen von Menschen rapide verschlechterten. Auch im Land selbst wurde die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer, die Klasse der “working poor”, jene Personen, die zwar statt mehrerer Jobs kaum das nötige Geld für den Lebensunterhalt aufbringen können, ist ebenso rasch gewachsen. In diesem Sinne kann es jetzt wohl nur mehr besser werden!
Mit einer eloquenten Rede, die große Momente der amerikanischen Geschichte berührte und Verbindungen zu Abraham Lincoln herstellte, versprach Obama Barack Veränderungen und rief zur Zusammenarbeit im Lande auf - yes we can -, sogleich schürte er den Stolz der Nation und sprach versöhnliche Worte zu den Republikaner aus. E Pluribus Unum
Übrigens, die Amtseinführung des neuen Präsidenten wird erst am 20. Januar 2009 erfolgen.

All Hallow's Eve

Die Nacht vor Allerheiligen, All Hallow’s Evening, wurde im Laufe der Zeit zu Halloween umgewandelt. In dieser Weise entspricht der 31.Dezember der im Mittelalter verbreiteten Praxis, dass der Feiertag bereits am Vorabend des eigentlichen Festtages beginnt. Ein weiteres Beispiel für ein Überleben dieser Sitte ist ja auch unser “Heiliger Abend”, da der erste Weihnachtsfeiertag der 25. Dezember, der Christtag, ist.
Halloween hat sich in den letzten Jahren, verbunden mit harscher Kritik, auch in Zentraleuropa etabliert, vorallem als Kinderfest, das mit Süssigkeiten-Vergabe einher geht. Bei der Kritik wird jedoch meist ausser Acht gelassen, dass es sich eigentlich um ein katholisches Fest handelt, das aus Irland stammt. Bedenkt man nun auch weiters, dass der süddeutsche und österreichische Raum vor allem von irischen Mönchen missioniert wurde, ist dieses Festes in Zentraleuropa plötzlich aus einem ganz anderen Licht zu sehen, man könnte unter Umständen gewissermassen von einem europäischen Re-Import sprechen.
Vielmehr handelt es sich bei der Kritik an Halloween meist auch um eine ordentliche Portion Antiamerikanismus, verbunden mit der berechtigten Kritik an der Konsum- und Eventgesellschaft und einem Schuss Engstirnigkeit. Sitten und Gebräuche unterliegen einer Veränderung und jede Tradition hat irgendwann einmal ihren Anfang gehabt/haben müssen.
Die Einführung des Muttertages, ebenfalls eine amerikanische Institution, stiess auf weit mehr Gegenliebe. Doch den meisten Leuten, auch in Zentraleuropa, kommt ein weiterer Feiertag der überwiegend zum exzessiven Alkohlkonsum genutzt wird, gar nicht so ungelegen, die Wirte freuen sich auch und schliesslich heisst es doch so schön: Geht’s dem Wirt gut, geht’s uns allen gut. Oder war es doch anders? Egal, irgendein weises Sprücherl halt...
Hier in den Staaten ist Halloween, im Gegensatz zum Faschingdienstag, der als Mardi Gras eigentlich nur im überwiegend katholischen New Orleans zelebriert wird, für Jung und Alt DER Anlass des Jahres, sich zu verkleiden und den Narren raus zu lassen. Ab Mitte September öffnen für ein paar Wochen Boutiquen in sonst leer stehenden Geschäftslokalen, deren Sortiment ausschliesslich aus Dekorationartikeln und Kostümen für diesen einzigen Abend besteht. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Grusel- und Geisterdekorationen wie Spinnennetze, abgehackte Gliedmassen, Grabsteine, Vampire, Gespenster, Untote und den ausgehöhlten Kürbis, Jack O’Latern, eine Art von Sturmlicht. Nicht nur die Vorgärten und die Wohnhäuser werden dekoriert, sondern auch öffentliche Gebäude und Universitätsinstitute erhalten schon Tage davor ihre “Verschönerung”.





Einer Einladung auf eine Halloweenparty der Medical- und Law-Faculties der UALR, ausgesprochen von unserem lieb gewonnenen Freund Tim, folgten wir natürlich prompt. Bereits Wochen zuvor hatten wir uns um unser Kostüm gekümmert, es handelte sich dabei quasi um zwei Kostüme mit einem gemeinsamen Thema. Durch den Besuch des Running Chef in Little Rock wurden Gruppe und Thema auf drei erweitert, was durchaus passend war und unser Thema nur noch lustiger machte. Die Party, die etwas weniger schwungvoll war, als vergleichbare Veranstaltungen in der Heimat – mit dem legendären “Klub Exotika” wollen wir es gar nicht vergleichen – bestach viel weniger durch das Buffet, eine Auswahl der obligatorischen Käsewürfel, Cracker, diversen Sossen und der Getränkeauswahl, sondern vor allem durch den Witz der Kostüme der Partybesucher, die zwar im Gegensatz zur Heimat meist seltenst selbst gefertigt sind, aber durch die breite Auswahl in den Shops doch weit gefächert sind. Die Feier selbst endet jedoch relativ früh, um Mitternacht. Unser Notprogramm, der Besuch einer Privatparty im Westen der Stadt, konnte auf Grund mangelnder Koordination auf Grund von Trunkenheit unserer Kontaktperson nicht ordnungsgemäss aktiviert werden. Alles in allem war es jedoch ein interessanter Anlass, diesen amerikanischen Feiertag als teilnehmender Beobachter, ganz im Sinne von Malinowski, mitzuerleben.