Sonntag, 14. Dezember 2008

College Basketball

UALR Trojans bezeichnet neben den universitätseigenen Baseball-, Cross Country-, Track and Field,- Soccer,- Swimming/Diving-, Golf-, und Tenniskadern, auch die Basketballmannschaften männlichen als auch weiblichen Geschlechts, die in der Sun Belt Conference West Division Championships um die Meisterschaft kämpfen. Die Heimspiele werden in der Sporthalle des Jack-Stephens-Centers auf dem Campus ausgetragen. Als Student der UALR erhält man nicht nur kostenlosen Eintritt sondern bekommt einen Hotdog und eine Limo gratis obendrauf. Trotzdem sind nicht alle Spiele gut besucht, besonders bei den Damen mangelt es oft sowohl an Publikum als auch an anderen Kleinigkeiten. So gibt es keine Band die in den Spielpausen und Unterbrechungen Lieder spielt, die Nationalhymne kommt vom Band und auch die Cheerleadertruppe ist nur zur Hälfte da. Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden auch hier gemacht. Das Spiel der UALR gegen Creighton war spannend wie kaum sonst etwas. Die Jungs aus aus der Jesuiten-Universität in Nebraska legten zu Beginn ordentlich zu und konnten ihren Vorsprung während der ersten Hälfte auf 14 Punkte steigern. Doch letztendlich gelang den Trojans die Aufholjagd erfolgreich und Mike Smith – von allen nur 'Big Mike' genannt – verwandelte in den letzten fünf Sekunden einen Wurf in einen Treffer, womit die Trojans mit 71 zu 69 das Spiel doch noch gewannen. Der Kommentar nach dem Spiel in einer Bar war;“ Oh, it was so sweet; Big Mike made it in the last seconds and he is everybody’s man“.




















Tiki Time in Vegas

In jede Stadt in die wir kommen, zu der auch Teitelbaum in seinem „Road Trip to Tiki Culture“ etwas zu sagen hat, machen wir uns die Mühe und überprüfen seine Tipps. So auch in Las Vegas. Nachdem das legendäre „Aku-Aku“, für das Eli Headley – der Prototyp des amerikanischen Tikischnitzers – die Moai aus Lavagestein gehauen hatte, bereits 2003 seine Pforten nach über 40 Jahren geschlossen hat, bleibt in Las Vegas erschreckend wenig zum Thema Südseekitsch übrig. Teitelbaum nennt lediglich vier Orte, die es wert seien, besichtigt zu werden. Der Hawaiian Market Place, eine Kopie des berühmten Originals in Honolulu, ist eher eine traurige Angelegenheit, der Ramsch den die koreanischen Händler an den Bambus- und Palmblatt-Buden anbieten, ist keines Blickes würdig. Eine Statue von Kamehameha, jenem hawaiischen König, der einst das Reich einte, harrt an der Ecke, wohl verwundert über das Treiben zu ihren Füssen. Unsere Hoffnung galt dem Klassiker...

Das Trader Vic’s in Las Vegas ist bezüglich der Gestaltung die erste grosse Enttäuschung hinsichtlich unserer Besuche der Lokale dieser Kette. Es wurde 2007 eröffnet und weist nicht das geringste Zitat an die klassischen Lokale auf. Vielmehr erinnert es an jene trostlosen Lokale, die auch momentan in der Heimat wie Pilze aus dem Boden schiessen und deren Mobiliar durch kubische Kunststoff-Rattan-Sitzgelegenheiten und deren Dekoration durch minimalistische Anordnungen von vertrockneten Zweigen gekennzeichnet ist. Ebenso wie das „Mahiki“ in London ist es ein zweigeschossiges Lokal, im Obergeschoss ist eine kleine Bühne vorhanden, auf der Comedians und andere Spassvögel ihrer zweifelhaften Auftritte haben. Der Unterschied ist aber dass das „Mahiki“ von Atmosphähre nur so strotzt. Das Untergeschoss im Trader‘s wird durch zwei riesige, aus Polyesterharz gefertigten Tiki-Poles, bestimmt, deren Design jedoch frappierend an die aus Bali stammenden Schnitzereien erinnert. Mit diesen beiden Säulen und einer Glasmalerei hinter der Bar ist es jedoch hinsichtlich des TiPSY-Faktors (Tikis per square yard – quasi Tikis pro Quadratmeter) auch schon wieder getan, authentisches mana ist inmitten dieser Wände erschreckend wenig vorhanden. Das Publikum ist offensichtlich ein gänzlich anderes und rekrutiert sich eher aus Nachtvögeln als aus den Reihen der Tiki-Freunde. Der Mai Tai ist jedoch genauso köstlich wie an allen anderen Standorten.









Doch unweit des Trader Vics’s befindet sich das „Cheeseburger at the Oasis“, nicht zu verwechseln mit dem etwas weiter nördlich gelegenen „Cheeseburger at Pardaise“ des Entertainers Jimmy Buffet. Wie der Name schon vermuten lässt ist das „Cheeseburger at the Oasis“ ein Hamburger-Restaurant, dass aber auch eine kleine aber gute Auswahl von tropischen Rumcocktails offeriert. Die Gestaltung des Lokals schwankt zwischen Südsee- und Orientkitsch, wobei aber derart viele Artefakte zur Schau gestellt werden, dass das menschliche Gehirn auf den ersten Blick mit der Verarbeitung der Eindrücke überfordert scheint. Tikis und Kamelfiguren sind die Kernbestandteile, erweitert um Elefantenfiguren, altes Reisegepäck, Muscheln, Öllampen, Feze, Lottomaschinen und sehr viel Vintage-Kram. Bei den Fez handelt es sich grossteils um authentische Stücke der Geheimgesellschaft der „Shriners“ - Alte Arabische Orden der Edlen vom mystischen Schrein - jene lustigen Herren meist mittleren Alters, mit einem Fez behütet, die vor allem durch ihre Paraden mit verkleinerten Versionen von Automobilen bekannt sind. Ein Tempel der Shriners befindet sich auch in unmittelbarer Nähe zu unserem Haus in Little Rock. Der Mai Tai im „Cheeseburger“ hatte zwar nicht die Klasse wie im Trader Vic’s, aber im Vergleich zu dem was wir an anderen Orten vorgesetzt bekamen, schmeckte er hervorragend.





















Mittwoch, 3. Dezember 2008

Thanksgiving

Thanksgiving, eines der wichtigsten amerikanischen Familienfeste, wird traditionellerweise am vierten Donnerstag im Monat November begangen. Sharon, eine Kollegin aus einer Lehrveranstaltung, hatte uns in ihr Elternhaus eingeladen, um dieses Fest hautnah miterleben zu können, eine Gelegenheit, die wir nur zu gerne wahrnahmen. Der Familiensitz der Boehms in der besten Gegend von Little Rock ist ein recht mondänes Anwesen mit eigenem Fussballplatz für die Enkelkinder, zwei sehr grossen Mercedes-Automobilen vor der Tür und an die sechs bis sieben Hunde, die sich auf dem ausgedehnten Grundstück tummeln. Ausser uns und der Familie waren auch noch zwei Studenten aus Saudi-Arabien eingeladen, die wohl so wie wir keinerlei Erfahrung mit diesem Festtag hatten. Das Festessen bestand aus den traditionellen Komponenten, die wohl jeder aus diversen Filmen und dem Fernsehen kennt; einem gebratenen Truthahn enormen Ausmasses, Süsskartoffelpüree, Kartoffelpüree, gedünstetem Brokkoli, Maccaroni mit Käse, Bratensosse, Truthahnfülle, Cranberrysosse – sowohl eine wohlschmeckende, von Frau Boehm selbst zubereitete mit einer sehr fruchtigen Note und eine geleeartige aus der Dose – und Brötchen. Frau Boehm ist eine ausgezeichnete Köchin, eine Eigenschaft die man wohl den wenigsten amerikanischen Hausfrauen zusprechen kann, den das gesamte Menü war einfach köstlich. Als Nachspeise gab es dann eine Auswahl von Kürbiskuchen und Süsskartoffelkuchen, die wohl eher an Pasteten erinnern, aber trotzdem äusserst wohlschmeckend, wenn auch in ihrer Konsistenz ungewöhnlich, waren.
Die Legende besagt, dass Truthahn, Cranberries und Kürbis jene Nahrungsmittel waren, die die Pilgerväter bei dem ersten Fest im Jahre 1621 zur Verfügung hatten und mit dem sie die Indianer, die ihnen nach der Landung in Massachusetts über den ersten Winter in der Neuen Welt geholfen hatten, bewirteten.

- Die Köchin mit Enkelsohn -

- Die Boehm-Mädels und ihre Kuchen -

- Anstehen zum Essenfassen -

Am Tag nach Thanksgiving, dem "Black Friday" beginnt übrigens die Saison der Weihnachtseinkäufe. Viele Geschäfte locken mit Schnäppchenangeboten, deshalb stehen die Leute schon am Abend davor Schlange, das heisst dass der Thanksgiving-Abend auf einem Klappstuhl vor einem Geschäft verbracht wird. In diesem Jahr gab es bei dem Ansturm ein Todesopfer in New York zu beklagen, ein Wal-Mart-Mitarbeiter wurde zu Tode getrampelt. In Texas gab es sogar eine Schiesserei in einem Spielwarenladen - ein schöner Start in die besinnlichste Zeit des Jahres.

Montag, 1. Dezember 2008

In Oklahoma, Babe!

Nachdem wir in den letzten Wochen von unseren universitären Verpflichtungen überaus stark beansprucht wurden und wir unserer selbstauferlegten Pflicht, regelmäßig aus Arkansas zu berichten, nicht ausreichend nachgekommen sind, freut es uns nun besonders hier verlautbaren lassen zu können, dass sich der Dunst des Streberns und Lernens nun allmählich zu lichten beginnt und das Semesterende für uns mit sehr zufriedenstellenden Ergebnissen in den Kursen in unmittelbare Sichtweite gerückt ist. Da es aus der Ottenheimer-Bibliothek der UALR, die zwar überaus gut bestückt ist – es gibt immerhin drei verschiedene Buddy-Holly-Biografien - keinerlei Erlebnisse zu berichten gibt, die für Nicht-Teilnehmer der von uns belegten Lehrveranstaltungen interessant wären, haben wir uns entschlossen, einige Stories zu veröffentlichen, die vielleicht nicht mehr ganz brandaktuell sind, aber unter Umständen dennoch den/die eine(n) oder andere(n) interessieren könnten.

Jene kleine Fahrt nach Oklahoma, einen im Westen angrenzenden Staat, der vor allem für den Run auf Oklahoma im Jahre 1889 bekannt ist, jenes Ereignis, dass auch in einem Lucky-Luke-Band sowie im Film „In einem fernen Land“ mit Tom Cruise und Nicole Kidman seinen Niederschlag fand, ist eine jener kleinen Geschichten.
Nachdem wir uns damals im Ernest-Tubb-Record-Store in Nashville, TN, zu Beginn unserer Reise mit einem kleinen Vorrat an Tonträgern aus dem Genre „Country“ ausgestattet hatten, unter denen sich das neueste Werk des Hillbilly-Troubadours Wayne „The Train“ Hancock befindet, dass mit dem wenig klingenden Namen „Tulsa“ – der Name der zweitgrößten Stadt in Oklahoma - betitelt ist, wuchs die Neugier auf den „Sooner-State“. Weiters lag uns auch nach mehreren Jahren Abstinenz noch immer der Tom-Powder-and-the-Portfires-Hit „Oklahoma Baby“ in den Ohren. Die Lektüre von John Steinbecks Klassiker „Früchte des Zorns“, die Geschichte über eine Familie von Okies – die Bezeichnung für die Einwohner dieses Staates – die im Zuge der großen Depression in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts auf Grund einer Dürre ihre Farm in der sogenannten „Dustbowl“ in Richtung Kalifornien verlassen muss, war ebenfalls noch lebhaft in Erinnerung. John Steinbecks Roman wurde übrigens schon wenige Jahre nach dem Erscheinen mit Spencer Tracy in der Hauptrolle verfilmt, leider können wir diesen Film weder empfehlen noch davon abraten, da wir ihn selbst noch nicht gesehen haben. Und nicht zuletzt wurde das Oklahoma-Territorium auch als das Ziel jenes gigantischen Umsiedlungsprogrammes auserkoren, das unter dem Namen „Trail of Tears“ – der Pfad der Tränen – in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Dabei wurden die Stammesmitglieder der sogenannten „Fünf zivilisierten Stämme“ – Cherokee, Choctaw, Muskogee, Chickasaw und Seminolen – die ursprünglich östlich des Mississippi beheimatet waren, in die öde, flache, windige Ebene von Oklahoma getrieben, wobei an die 4000 Todesopfer, die den Strapazen des Marsches nicht gewachsen waren, zu beklagen waren. Die Möglichkeit, eine leibhaftige "Rothaut" - man verzeihe uns diese unsensible Ausdrucksweise - erblicken zu können, ist auf jeden Fall eine mehrstündige Fahrt im komfortablen und äußerst gut gefederten Cadillac wert.

Die Reise führte durch eine flache Landschaft, auf Grund des starken Windes – Oklahoma liegt in der „Tornado-Alley“, warum wohl, dürfte hoffentlich klar sein – waren überhaupt keine Blätter mehr an den Bäumen, obwohl es in Arkansas noch grün war. Schließlich kamen wir auch durch Muskogee, benannt nach einem der Stämme und bekannt durch den Merle-Haggard-Klassiker „Okie from Muskogee“ aus dem Jahr 1969, eine Stadt die relativ wenig zu bieten hat. Der Höhepunkt hier war der Besuch von „Braum’s“ einem Schnellrestaurant, dessen Erdbeer-Milchshakes die bislang besten sind, die wir je versucht haben. Am Straßenrand sahen wir auch den Hinweis auf einen Amish-Laden, jene Religionsgemeinschaft aus Pennsylvania, die auf jegliche moderne Technik verzichtet und das Ziel von so manchem Spott ist. Leider waren die Inhaber keine der Gläubigen sondern der Name ist lediglich eine Marketing-Strategie, um auf die „alte“ Zubereitungsweise und „Natürlichkeit“ der Köstlichkeiten, die feilgeboten werden, hinzuweisen. So gibt es hier Marmeladen, Kuchen, Kuchenfülle, Würste, Käse, Fudge und vieles mehr.
Die Native Americans, die als Wiedergutmachung für die an ihnen begangenen Gräueltaten das Privileg genießen, das ansonsten verbotene Glücksspiel in Casinos anbieten zu dürfen, nutzen diese Einnahmequelle vorwiegend um die überdurchschnittliche Armut und Arbeitslosigkeit innerhalb der Stämme zu bekämpfen. Interessanterweise waren jedoch alle Angestellten in den Casinos, die wir besuchten, Caucasians, also Weisse. Der Verlockung, die Automaten mit Quarters zu füttern, konnten wir locker widerstehen, schließlich hatten wir auch Las Vegas erfolgreich hinter uns gebracht, ohne ein Vermögen zu verlieren, weder ein kleines noch ein großes.

Tulsa selbst ist eine wenig spektakuläre Stadt, die größenmäßig so cirka Little Rock entspricht. Warum Wayne Hancock der Stadt ein ganzes Album gewidmet hat, war für uns nicht ersichtlich, doch trug auch der Wind, der durch ganz Oklahoma pfeift und zwischen den Hochhäusern von Downtown ganz ordentliche Geschwindigkeiten erreichen kann, dazu bei, dass wir uns auf keine explizite Erforschung der Stadt einließen.

Die Heimfahrt führte uns schließlich noch, vorbei an Kuhweiden – es ist beruhigend zu sehen, wie naturverbunden ein Hamburger aufwächst – in die Universitätsstadt Fayetteville, die allerdings bereits wieder in Arkansas liegt und als die Heimat der „Razorbacks“ bekannt ist. Allen Unkenrufen zum Trotz sind wir, vom überaus schönen und großen Campus inklusive der an Südstaaten-Anwesen erinnernden Verbindungshäuser keineswegs geblendet, durchaus froh, dass unsere Wahl für den Ort unseres Auslandssemesters zwischen Fayetteville und Little Rock auf letzteres fiel, denn die Kleinstadt in den Bergen bietet außer einem feuchtfröhlichen Studentenleben mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren keineswegs viel Abwechslung. Übrigens, Häuptling haben wir keinen einzigen gesichtet.


- die Tornado Alley -


- bei Braum's -



Ein "Cherokee-Casino"

Die gute Marge hat gewonnen. Schön!

- Der Hamburger in freier Wildbahn -


- angeblich hausgemachte Kuchenfülle - in welchem Haus? -


- Tulsa Häuserschlucht -

- die leeren Strassen von Tulsa, nix los -

- der Caddy in Tulsa -

- Das Razorback Stadium der Nachbar-Uni in Fayetteville -


- Sitz der Studentenverbindung Sigma Alpha Epsilon -

- Lambda Chi Alpha -

- ein eigenes Freilufttheater griechischen Stiles -